Wettermomente Print
von Dominik Walther   

 
Eine Alltagsweisheit: wenn aller Gesprächsstoff ausgeht, bleibt immer noch das Wetter. Denn über das Wetter kann immer gesprochen werden, es verbindet, wenn nichts anderes mehr verbindet. Und natürlich ist auch im Film das Wetter allgegenwärtig. Jede Szene, die im Freien gedreht wurde, spielt mit dem Wetter: die Lichtverhältnisse müssen stimmen und wenn es das Drehbuch verlangt, muss ein ganz bestimmtes Wetter her. Nicht jeder hat dabei die Zeit, so lange zu warten wie beispielsweise Mikhail Kalatozov, der für für spektakuläre Landschaftsaufnahmen in seinem grandiosen Revolutionsepos „Soy Cuba“ unbedingt Wolken brauchte. Auf dem sonnigen Cuba musste er dafür wochenlang ausharren, bis endlich dicke, dunkle Regenwolken vorüber zogen und das richtige Setting für seinen Film lieferten.

Wetter ist im Kino wichtig, nicht nur als Produktionsbedingung, sondern auch als Stilelement und Stimmungsträger. Was wäre „Blade Runner“ ohne Regen? „Hundstage“ ohne die Hitze? „Fargo“ ohne Schnee? „Der Sturm“ ohne... nunja, ihn selbst? In diesen Filmen sind Wetterbedingungen mehr als zufällige Rahmenbedingungen, sie werden zu Metaphern der Handlung, manchmal sogar Protagonisten und Handlungsträgern selbst. Das Wetter ist in diesen Filmen nicht nur schmückendes Beiwerk, Small-Talk-Gesprächsstoff, sondern ein wichtiger Bestandteil, der dementsprechend sorgfältig inszeniert wird. Die Kinokarate-Wetterkarte wird einige ausgewählte Wetterstimmungen und ihre Inszenierungen vorstellen.