| Die Wüste in uns |
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| von Christian Westheide | ||||||||
Page 1 of 6 Seit tausenden Jahren gibt es Geschichten über Männer und Frauen, die in die Wüste gingen, um in dieser feindlichen, verlassenen Landschaft dem Kern ihres Charakters näher zu kommen: "Lawrence of Arabia" (1962), "The Sheltring Sky" (1990) und "The English Patient" (1996) - alle drei Filme tragen diese uralte Geschichte einer Suche nach Reinheit und Ursprünglichkeit in sich, die auch immer eine Flucht aus der Zivilisation, vor den Regeln der Menschen ist.
Warum fasziniert das Motiv der Wüste als Ort der Selbstfindung und größter charakterlicher Entfaltung in Literatur und Film schon so lange und warum sind es wohl vor allem europäische und amerikanische Autoren und Filmemacher, die in der Wüste eine Metapher der Freiheit sehen?
Besonders im direkten Vergleich zu dem Thema "Los Angeles" ist der Blick auf die Wüste und auf die Filmfiguren in der zivilisatorisch entleerten Welt aus Sand und Hitze interessant. Die Werte, Metaphern und Motive, für die die Wüste steht, sind denen der Stadt, besonders einer Megapolis wie L.A., diametral entgegensetzt: Das eine ist das genaue Gegenteil des anderen. Wer extreme Charaktere sucht, wird sie an einem der beiden Pole finden: Überfülle und menschengemachtes Chaos auf der einen, Leere und Klarheit auf der anderen Seite. Und in Erweiterung der These, dass in Los Angeles Filmen, das Wetter die disparaten Geschichten und in sich gefangenen Figuren verbindet, so kann man über Wüstenfilmen sagen: Die Wüste und ihre Wetterbedingungen werfen die Figuren auf sich selbst zurück und fast alle Verbindungen werden gekappt.
Doch beim Thema Wetter und Film über Wüsten zu schreiben, muss begründet werden, denn "Wüste" bezeichnet eine Klimazone und kein örtlich gebundenes, temporäres Wetter. Es gibt zum Beispiel kein Wüstenwetter in Berlin oder Baden-Württemberg. Dennoch gibt es in der Wüste Wetter, nur dass es fast immer gleich ist: heiter, heiß und trocken, unterbrochen von Sandstürmen und in manchen Wüstenregionen von ein paar Tropfen Regen alle paar Jahre. Diese sehr konstanten und extremen Wetterbedingungen definieren die Wüste klimatisch aber auch sozial und ästhetisch - zwei Faktoren, die Filmemacher sehr interesseiren und die natürlich Filmfiguren beeinflussen. Diese Konstanz eines extremen Wetters schafft räumliche Weite und menschliche Leere - um die soll es gehen. Das Wetter für die nächsten Minuten: Heiß und Trocken - im Sommer wie Winter. In der klassischen Wüstenvorstellung der meisten Mitteleuropäer besteht eine Wüste aus viel Sonne und blauem Himmel, es ist heiß, es gibt Oasen und ganz viel Sand. Das klingt ein wenig nach Sommerurlaub und Sommerwetter - nur ohne Meer. Doch enthält diese naive Vorstellung auch zwei Hinweise zur Beantwortung der Frage, „Warum Wüstenfilme?":
Prophet Elias in der Wüste, 15. Jh.
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Warum fasziniert das Motiv der Wüste als Ort der Selbstfindung und größter charakterlicher Entfaltung in Literatur und Film schon so lange und warum sind es wohl vor allem europäische und amerikanische Autoren und Filmemacher, die in der Wüste eine Metapher der Freiheit sehen?
Besonders im direkten Vergleich zu dem Thema "Los Angeles" ist der Blick auf die Wüste und auf die Filmfiguren in der zivilisatorisch entleerten Welt aus Sand und Hitze interessant. Die Werte, Metaphern und Motive, für die die Wüste steht, sind denen der Stadt, besonders einer Megapolis wie L.A., diametral entgegensetzt: Das eine ist das genaue Gegenteil des anderen. Wer extreme Charaktere sucht, wird sie an einem der beiden Pole finden: Überfülle und menschengemachtes Chaos auf der einen, Leere und Klarheit auf der anderen Seite. Und in Erweiterung der These, dass in Los Angeles Filmen, das Wetter die disparaten Geschichten und in sich gefangenen Figuren verbindet, so kann man über Wüstenfilmen sagen: Die Wüste und ihre Wetterbedingungen werfen die Figuren auf sich selbst zurück und fast alle Verbindungen werden gekappt.
Die drei Hauptfiguren der Filme wollen genau das: eine heile Welt, zu zugleich fernab der Zivilisation - wie schon zahllose Männer und Frauen vor ihnen: Einsiedler, Propheten, Mönche, Heilige, Forscher und Künstler.
Wüste und Film
Dem Filmemacher ermöglicht die Wüste, Figuren und Bilder von großer Klarheit und beeindruckender Schönheit zu erzeugen: Vor dem Hintergrund der Eintönigkeit und Leere stechen die Helden der Filme und ihr Charakter besonders hervor. Helden in der Wüste lehnen sich an uralte Mythen und Idealvorstellungen an: Weltflucht, Erleuchtung, Prophetentum. Die Charaktere kommen in der Wüste im wahrsten Sinne des Wortes "zu sich".