Nicht drängeln, gestorben wird der Reihe nach Print
von Tobias Röhring   
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Nicht drängeln, gestorben wird der Reihe nach
Vom Spottlied zum Kinderreim
Erfolg als Kriminalroman
Das Motiv im Film

 

 

 

 

Das Prinzip der „Zehn kleinen Negerlein“

Der bekannte Zählreim über die „Zehn kleinen Negerlein“, die eines nach dem anderen das Zeitliche segnen, hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Eigentlich als rassistisch anmutendes Spottlied auf Indianer und Schwarze in den USA des 19. Jahrhundert ins Leben gerufen, fand sich das Motiv später in etwas abgemilderter Form in deutschen Kinderbüchern wieder. Der Kriminalroman von Agatha Christie etablierte die „Zehn kleinen Negerlein“ schließlich in der modernen Popkultur und avancierte, wohl auch dank der öffentlichen Debatte um den Rassismusvorwurf, zu einem der meistverkauften Bücher aller Zeiten. Dieser Erfolg sorgte nicht nur für einige mehr oder weniger erfolgreiche Filmadaptionen, sondern machte das Prinzip der „Zehn kleinen Negerlein“ zu einem immer wieder verwendeten Motiv im Bereich des Kriminal- und Horrorfilms, wie die Beispiele FREITAG, DER 13 (1980) oder IDENTITÄT (2003) zeigen.

Im Kriminalroman „Und dann gab’s keines mehr“ von Agatha Christie stellte sich der Zählreim folgendermaßen dar:

Zehn kleine Negerlein, die zechten in der Scheun’,
Eins verschluckte sich dabei, da waren’s nur noch neun.

Neun kleine Negerlein, die blieben nachts lang wach.
Eins schlief dann fest für immer ein, da waren’s nur noch acht.

Acht kleine Negerlein, die reisten mal nach drüben.
Eines blieb für immer dort, da waren’s nur noch sieben.

Sieben kleine Negerlein, die holzten wie der Specht.
Eines holzte sich entzwei, da waren’s nur noch sechs.

Sechs kleine Negerlein, die liefen ohne Strümpf’.
Eines stach die Biene tot, da waren’s nur noch fünf.

Fünf kleine Negerlein, die stritten sich ums Bier.
Eins holte sich der Scharfrichter, da waren’s nur noch vier.

Vier kleine Negerlein, die segelten ins Freie.
Ein roter Hering schwamm vorbei, da waren’s nur noch dreie.

Drei kleine Negerlein, gingen am Zoo vorbei.
Eins wurde dort vom Bär zerquetscht, da waren’s nur noch zwei.

Zwei kleine Negerlein, die zankten wie sonst keiner.
Eins wurde in die Brust geschossen, da war es nur noch einer.

Ein kleines Negerlein, ganz für sich allein, das litt und seufzte schwer,
Es ging ins Haus und hängt’ sich auf, da gab es keines mehr.

Diese Version von 1939 ist jedoch nur eine von unzähligen Variationen, die der Zählreim seit seiner Entstehung im Jahre 1868 durchlaufen hat. Um den Hintergrund der „Zehn kleinen Negerlein“ besser zu verstehen, genügt ein Blick auf dessen historische Entwicklung.

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