10 Jahre, Filme und Sekunden Print
von Christian Westheide   
Seiten
10 Jahre, Filme und Sekunden
Verschlafen
1 Angel Heart
2 Barton Fink
3 A Thin Red Line
4 Gummo
5 Walkabout
6 Sexy Beast
7 Jesus Son
8 Smoke
9 Do the right thing
10 Heat
100 Sekunden, die bleiben
 

2 BARTON FINK (1991)

Barton Fink, gefeierter Theaterautor aus New York mit einem total bemühten sozialkritischen Stück, ist eine typisch zermarterte Künstlerseele. Er nimmt den Lockruf Hollywoods an, um ein Drehbuch zu schreiben und checkt in ein kafkaeskes Hotel in L.A. ein. Dort wird er Ereignissen und Menschen begegnen, die seine Pläne, sein Schreiben und auch sein Leben auf den Kopf stellen. Die sich von der Wand lösenden Tapeten, der geisteskranke Nachbar im Nebenzimmer, der wundervolle Moment, wenn Fink schreiend seine Freude über das fertig gestellte Buch hinausschreit - erinnerungswürdig. Die Essenz des Films besteht aber in einem einzigen Ton: Nämlich wenn Fink bei seiner Ankunft in dem eigenartigen fink2.jpgHotel an der verwaisten Rezeption die Klingel schlägt. Sie ertönt und hallt für Sekunden, bis sich irgendwann, irgendwo im Hintergrund etwas bewegt. Barton Fink steht währenddessen ungelenk und verloren herum. Wartet. Guckt. Wird unsicher. Dieses Dauerklingen ist die Marter für Finks Seele: Er ist fehl am Platz und in sich gefangen. Nach zehn langen Sekunden nähert sich der Portier, legt seinen Finger an die kaum noch hörbare, aber noch immer tönende Klingel. Dann ist Stille. Ein Zustand, den sich Fink den Film über ersehnt um zu schreiben, um endlich anzufangen.

fink3.jpgDie Klingel im Hotel ist gewissermaßen der motivische Auftakt all der überraschenden Reaktionen von Dingen und Menschen, die Fink berührt. Überall lauern Überraschungen und Wendungen und unkontrollierte Reaktionen - für einen Künstler, der die Welt erfindet, um sie zu kontrollieren, ein schrecklicher Zustand. Wenn am Ende doch noch Fantasie und die Möglichkeit eines anderen Lebens zusammenlaufen, wünschen wir Fink sowohl einen großen Roman wie ein glückliches Leben. Mein erster Film in Orginal mit Untertiteln, selbst in der Fremde, ist ein bleibendes Erlebnis gewesen, stilbildend und begründete meine Coen-Brüder-Verehrung.