|
Page 1 of 5
Überlebende und Survivors
Der Tod von sechs Millionen Menschen ist nicht lustig. Der Holocaust ist das größte aller Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Menschheit. Und was soll oder könnte daran lustig sein? Einerseits. Andererseits gibt es mittlerweile viele (meist jüdische) Comedians, die dieses Tabu gebrochen haben. Oft mit Pointen, die im Halse stecken bleiben. Kleine Kostprobe gefällig?
In der Folge SURVIVOR der populären US-Serie CURB YOUR ENTHUSIASM trifft bei einem Abendessen ein Teilnehmer der US-Show Survivor, bei der sich Kandidaten den üblichen Dschungelspielchen aussetzen, auf einen Holocaustüberlebenden. Der junge Mann hat offensichtlich keine Ahnung was der Holocaust war; der gebrechliche Alte dagegen keine Ahnung, was für ein Schwachsinn im Fernsehen läuft:
- Ich war in einem Konzentrationslager, und Sie haben nicht eine Minute durchgemacht, was ich erlebt habe.
- Also hör mal, wir haben 42 Tage lang versucht zu überleben. Mit sehr wenig Proviant und ohne Snacks!
- Snacks? Worüber reden Sie? Wir hatten manchmal eine Woche nichts zu essen.
Am Ende fragt der Dschungel-Kandidat: „Haben Sie überhaupt mal unsere Showgesehen? Und der Überlebende schreit zurück: „Haben Sie mal UNSERE Show gesehen? Die heißt der Holocaust! Dann streiten sich beide, wer der echte Survivor, also der echte Überlebende ist.
Lacht man da aus vollem Halse mit, kommen automatisch verschiedene Fragenauf: Darf ich das? Darf die Serie das? Ist das nicht geschmacklos? Werden hier nicht Gefühle der Opfer für einen schnellen Gag missbraucht? Ist es richtig, mit einem so schmerzhaften, existentiellen Ereignis um Quoten zu kämpfen und Geld zu verdienen?„There is no business like Shoa-business", ironisierte einst der israelische Außenminister Abba Eban in den 80er Jahren.
|