| Monty Python und der Schapernack |
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| von Frank Kallensee | |
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Am Anfang machte die Philosophie sich erst mal nass. Das Geistesleben des Abendlandes begann nämlich mit einem Witz. Platon ließ ihn in seinem „Theaitetos"-Dialog von Sokrates erzählen: Thales habe die Sterne beobachtet „und als er nach oben blickte, fiel er in einen Brunnen". Woraufhin sich 50 Gesichts- und 80 Körpermuskeln einer Thrakerin in Gang setzten, die deren Brauen hoben, Nasenlöcher weiteten, Mundwinkel verzogen, Augen verengten, Luft mit 100 Stundenkilometern durch die Lunge schießen und Stimmbänder 500 Mal pro Sekunde schwingen, kurz: sie lauthals darüber lachen ließen, dass sich da einer plagte, „Dinge am Himmel zu erfahren, während ihm das entgehe, was vor seinen Füßen" geschehe. Ob sich auch ihre Blasenmuskulatur entspannte, was im Bereich des physiologisch Möglichen gelegen hätte, ist nicht überliefert. Aber für Platon hätte sie sich ohnehin nicht bepinkeln müssen, ihm genügte die Grimasse.
AND NOW FOR SOMETHING COMPLETELY DIFFERENT(1971). Na ja, vielleicht auch nicht, denn eigentlich kennen sich Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin mit Platon aus: „Plato, they say, could stick it away / Half a crate of whiskey every day." Demnach hätten Monty Python das Niveau der Symposien des alten Hellenen durchaus heben können. Zugegeben, wäre Platon von einem freundlichen Gentleman gefragt worden,ob er dessen Popo streicheln wolle, wäre er um die Antwort „Mein Luftkissenboot ist voller Aale" verlegen gewesen. Aber da Päderastie für ihn pädagogische Praxis war, hätte er dem Kerl mit dem Bowler wahrscheinlich nicht die Fresse,sondern was anderes poliert. Und womöglich hätten Jokes, die wegen vorsätzlichen Unsinns von einem 16-Tonnen-Pappgewicht zermalmt werden oder deren Pointe die Verweigerung der Pointe ist, den Chef der Athener Akademie mal darüber nachgrübeln lassen, ob nicht generell in seinem Leben irgendwas schief gelaufen ist und warum er ein so humorloser Sack war. Körpersäfte als StimmungsaufhellerDenn nur nebenbei: Humor ist vom lateinischen „umor" abgeleitet, das Feuchtigkeit oder Saft respektive jene Mischung der Körpersäfte meint, die zu einer prima Stimmung verhilft. Woraus zu schließen ist, dass die Geschichte des Lachens nicht als die einer Zähmung erzählt werden müsste, hätte sich Platon noch ein paar Single Malts mehr genehmigt. Doch so konnte er in seiner „Politeia" dekretieren, dass exzessives Lachen der menschlichen Würde zuwider sei. Wenn überhaupt, käme allenfalls eine „modesta hilaritas" infrage. Eine gemäßigte Heiterkeit, die dann von dem anderen großen Trinker Aristoteles („Aristotle, Aristotle, was a bugger for the bottle") ethisch gestützt wurde, aber schon wieder von einem Kirchenvater wie Augustinus als sündig und einem Theologen wie Bernhard von Clairvaux als todsündig verdammt wurde, weil beide in der Bergpredigt lasen, dass Humor die Hölle sei: „Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet klagen und weinen." Wer lachte, ging im Mittelalter besser in den Keller: Lachen hieß zweifeln. Wodurch übrigens der„Clash of Civilizations" schon damals seine komische Seite hatte: Denn Mohammed soll gelacht haben, bis „seine Weisheitszähne blitzten". Die galten als Abglanz göttlichen Lichts und müssen sehr weiß gewesen sein, pflegte er sie doch bereits mit Zahnhölzchen, als die kariösen Dämpfe aus westlichen Mäulern noch starke Argumentationshilfen für Europas Lach-Verteufler waren. Selbst die Luthers und Robespierres gestatteten sich das Laster des Lachens darum nur, wenn sie Papisten und Royalisten ver- oder gleich totlachen konnten.
Kommen wir nun zu etwas völlig anderem. Oder nö, bleiben wir doch noch kurz bei MONTY PYTHON'S LIFE OF BRIAN (1979), weil sich beim Drehbuchtexten auf Barbados tatsächlich zeigte, dass die Comedy immer dann am Ende war, wenn Jesus auftauchte. Der sei zwar ein „ziemlich guter Typ" gewesen, aber nicht so witzig wie Margaret Thatcher. Also flog der Heiland raus und der Widerporst Prian, äh Brian, in Jerusalem zu Poden. Und wiewohl der nun bis zur Kreuzigung („Durch die Tür, linke Reihe anstellen, jeder nur ein Kreuz") abstritt, der Messias zu sein, focht das keinen Jünger an: „Ich sage, du bist es, Herr, und ich muss es wissen, denn ich bin schon einigen gefolgt!" Zur Rechtfertigung dieser unerwünschten Fans sei allerdings eingeräumt, dass sich der echte Messias als Bergprediger akustisch nicht durchzusetzen vermocht hatte: „Ich glaube, er sagte, gepriesen sind die Skifahrer." Wird hier jetzt alpern gekichert? Weil es sein könnte, dass Monty Python Schapernack treiben? No! Never! Sie sind lediglich britisch korrekte Vollstrecker dessen, was der Evangelist Lukas 60 Jahre nach Brian, sorry: Jesus, als Konzeptpapier vorgelegt hat: „Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen." Nachdenkliche Fische und ein möderisches KaninchenNachdem wir nun wissen, es gibt kein Känguru im „Letzten Abendmahl", kommen wir zu MONTY PYTHON'S THE MEANING OF LIFE (1983), wo direkt zu Beginn Schicksalhaftes mitgeteilt wird, von Fischen, die das Aquarium eines Restaurants zum Schauplatz tiefer Nachdenklichkeit machen: „Morgen!" „Morgeen!" „Hey, seht mal, Howard wird gegessen!" „Ich meine, was ist der Sinn der ganzen Sache?" „Frag mich was Leichteres." Tja, das konnten schon Artus' Ritter der Kokosnuss in MONTY PYTHON AND THE HOLY GRAIL (1974) nicht zielführend klären. Der Sir Galahad im Schloss Dosenschreck in Aussicht gestellte Oralsex wird ihm von Sir Lanzelot lanzelotisch vermasselt. Die Ritter, die „Ni!" sagen, verlangt's nach Gebüschen. Ein Killerkaninchen fordert fünf Opfer - „na schön, drei, noch schlimmer" - und über die Brücke des Todes sollte sich nur wagen, wer seine Lieblingsfarbe sicher kennt. Den Heiligen Gral bekommen sie trotzdem nicht. Bei den Pythons gibt's allenfalls einen Eimer, für Mr. Creosote, der den Sinn des Lebens in THE MEANING OF LIFE auf seine Weise zusammenfasst: „Ich muss kotzen." Und wie er das muss ...
Die Welt kackt ab. Aber wenigstens, indem Stuss in etwas verwandelt wird, das wie Kunst aussieht, und Kunst in etwas, das wie Stuss aussieht. Auf eines aber ist bei den Jungs von Monty Python stets Verlass: Im Zweifel geht der Hauptpreis immer an die Frau mit den dicksten Dingern. |