Die Steine der Weisen Print
von Frank Kallensee   
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Die Steine der Weisen
Blickfang - Buster Keaton
Chaos - Jacques Tati
Brille - Woody Allen
Idioten - Matti Pellonpää und Mato Valtonen
Sphinx - Marlene Dietrich
Sichtbeton - Til Schweiger
 

 

 

 

 

 

Sichtbeton - Til Schweiger 

Marlene hat ihr Gesicht gezielt „skulptiert", Til Schweiger kann für das seine nichts - und deshalb auch nie anders. Sein „Stoneface" ist nicht geschauspielt, sondern genetisch. Vermutlich, ausgemacht ist das nicht. Als Option böte sich noch Sichtbeton an. Fakt ist, wäre es aus Holz, würde es „arbeiten", aber mit dieser Flexibilität wüsste Schweiger nichts anzufangen. Weswegen es für sein Kinogesicht nur eine Alternative gibt: Entweder sieht es sehr blöde aus oder es wird sehr sorgfältig fotografiert; entweder MANTA, MANTA (1991) oder INGLOURIOUS BASTERDS (2009). Die Rolle des „Basterd"-Feldwebels Hugo Stiglitz ist darum das Beste, was Schweiger passieren konnte, weil er für diese nicht aus der einen von ihm eingeübten Rolle fallen musste und dennoch reüssieren konnte.

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„Das wollte ich immer mal machen", äußerte er in einem Interview. Was? Mit stumpfer, stummer Schnauze schlagen, schlitzen, schießen. Aber nicht deshalb verliert Hitler den Krieg. Er verliert, weil das Kino gewinnt. Es siegt über das politisch Korrekte mit einer blutigen Lustigkeit, die impertinent zu nennen wäre, hätte ein anderer als Quentin Tarantino auf dem Regiefeldherrnstuhl gesessen. Dessen Arsenal ist nun mal nicht mit Wahrheiten aus Geschichtsseminaren bestückt. Dafür bringt er jene Gefühlsmaschine in Stellung, die schon John Ford oder Sergio Leone bedienten, wenn sie die Guten auf die Bösen losließen. Darum kann in diesem Film Rache süß sein und das Wort „Overkill" mit einem gelungenen Dreifachanschlag auf das Adolf-Joseph-Hermann-Führungspack neu definiert werden. In einem Kino übrigens, unter Beteiligung zügig zündelnden Zelluloids. Unbestritten, INGLOURIOUS BASTERDS ist ein Comic. Einer, der froh macht, weil keine Betroffenheitssauce angedickt wird. Einer, der seinem Personal zur Dimension des entlastend Grotesken verhilft; einer Dimension, in der Til Schweiger jetzt debütieren durfte. 

Die Frage aber, warum und zu welchem Ende sich „Stonefaces" im Kino etablieren konnten, sei mit René Descartes beantwortet: „Wie die Schauspieler eine Maske aufsetzen, damit auf ihrer Stirne nicht die Scham erscheine, so betrete ich das Theater der Welt - maskiert." Cogito ergo „Stoneface" sum. Der Weise trägt seinen Stein im Gesicht.