Die Steine der Weisen Print
von Frank Kallensee   
Seiten
Die Steine der Weisen
Blickfang - Buster Keaton
Chaos - Jacques Tati
Brille - Woody Allen
Idioten - Matti Pellonpää und Mato Valtonen
Sphinx - Marlene Dietrich
Sichtbeton - Til Schweiger

 

 

 

 

 

 

Sphinx - Marlene Dietrich

 

marlene1.jpgEine Maske erzählt uns mehr als ein Gesicht", ist bei Oscar Wilde zu lesen. Masken sind gesichtsbildend, ließe sich das noch zuspitzen. Marlene Dietrichs lackierter Teint, ihre steilen Wangenknochen, die auseinander driftenden Augen, der goldene Fifty-Fifty-Schnitt ihrer Züge, die keine „Seite" hatten und nie haben sollten, weil sie zuletzt von Klebestreifen gestrafft wurden, die mit sterilen Nadeln in die Kopfhaut gestochen waren - ein aus solchen Accessoires präpariertes Gesicht taugte als Illustration der Schopenhauerschen Injurie von den Frauen, die Sphinxe ohne Rätsel seien. Tatsächlich war das Geheimnis dieses Gesichts seine Offenheit. Es versteckte nichts und gab dadurch nichts preis. Es war Einladung und zugleich Befehl. Ein „Stoneface", das einzig weibliche zudem, das cineastisch zur Ikone wurde, wiewohl es selten - und in  David Hemmings SCHÖNER GIGOLO, ARMER GIGOLO (1978) gar unfreiwillig - zum Lachen war.