Schlaffe 90er: Actionhelden in der Krise Print
von Ines Walk   
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Schlaffe 90er: Actionhelden in der Krise
Krisen-Auslöser I - Die Frauen
Krisen-Auslöser II - Das Körperbild
Krisen-Auslöser III - Die Technik
Krisen-Auslöser IV - Die Ironie
  

 

 

 

 

Krisen-Auslöser II - Das Körperbild

arni_2.jpgBevor der mächtige Arnold Schwarzenegger sein Geld als Schauspieler verdiente, war er Gewichtheber und Bodybuilder, wurde mit seinem gestählten Körper mehrfach zum Mister Universum gekürt. Sylvester Stallone besitzt ebenfalls ein ausgeprägtes Körperbewußtsein, seine Muskeln sind regelrecht aufgeblasen und er verhehlt nicht, dass er über Jahre medikamentös nachgeholfen hat. Bei den Action-Helden ihrer Art ging es immer um die Modellierung des Körpers, sie trainierten, massierten, malträtierten ihn. Damit sind die beiden Darsteller auch ein Spiegel und der Eisberg des Bodybuilding-Booms in den 1980er und 1990er Jahren, in dem der Körperkult regelrecht zelebriert wurde. Das überdimensionale Aufpumpen des Körpers wiederum ist Ausdruck einer generellen Krise des Mannes, der in Zeiten von veränderten Rollen und gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem idealen Körper sucht.

Bruce Willis musste für seine Rolle des John McLane erst trainiert werden. Dabei war es im Sinne der Produzenten, seine Muskeln nicht überdimensional wachsen zu lassen. Das noch bei seinen Kollegen propagierte Körperbild befand sich bereits vor einer veränderten Situation: Das Bodybuilding verlor seine vorrangige Stellung und die gesellschaftlich akzeptierte Körperbildung veränderte sich zur Fitness- und Wellness-Bewegung. Andere Voraussetzungen für den Umgang mit dem Körper standen im Vordergrund: Ertüchtigung statt Modellierung, Spaß statt Posing, Gesundheit statt Steroide, Sich-fit-Fühlen statt Muskelmasse aufbauen, Spaß haben. Herakles-Figuren wie jene von Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone wurden nur noch belächelt, teilweise auch als abstoßend und pathologisch empfunden. Sie wichen einem moderaterem Idealbild des männlichen Körpers. Geschmeidig, natürlich und gesund sollte der Held jetzt sein.

Der Actionheld passte seinen Körper den neuen Gegebenheiten an und wurde in seiner Gestalt moderater. Tom Cruise , eher klein und drahtig, wurde mit der MISSION IMPOSSIBLE-Reihe zum Held einer neuer Generation. Die Filmemacher von MATRIX finden mit dem stoisch agierenden Keanu Reeves einen ästhetischen Weg, mit dem Körperbild des Action Genres zu brechen. Hier bewegt sich der Körper tänzerisch, findet im asiatischen Kampfstil sein Heilmittel und steigert die Genre-Spannung durch das Aushebeln der Gravitationsgesetze. Eine andere, neue Strategie findet die BOURNE-Reihe, die die äußerliche Normalität des Helden Jason Bourne (Matt Damon) nutzt, um ihn in der Masse verschwinden zu lassen.

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