Schlaffe 90er: Actionhelden in der Krise Print
von Ines Walk   
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Schlaffe 90er: Actionhelden in der Krise
Krisen-Auslöser I - Die Frauen
Krisen-Auslöser II - Das Körperbild
Krisen-Auslöser III - Die Technik
Krisen-Auslöser IV - Die Ironie
  

 

 

 

 

Krisen-Auslöser I - Die Frauen

In der Regel waren Frauen in den Actionfilmen immer nur Beiwerk. Sie hüteten das Haus und die Kinder, waren erotische Staffage oder gutaussehende Opfer, sie mussten gerettet werden oder sorgten mit ihrem hilflosen Gekreische für die richtige Tonspur des Films. Sie waren von der Gnade der Männer abhängig, brauchten deren Schutz und sorgende Hand. In den seltensten Fällen nahmen sie aktiv am Geschehen teil. Die männlichen Helden boten die Schulter zum Anlehnen, sorgten für die Existenz, sicherten Haus, Hof und Familie. Gerade der Actionfilm war (und ist) dafür prädestiniert, tradierte Rollen festzuschreiben. Das Action-Genre ist nicht gerade dafür bekannt, besonders feinfühlig auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren, geht es doch in der Regel darum, die äußere Handlung durch spektakuläre Szenen zu forcieren. Charakterliche Tiefenzeichnungen wirken da eher störend und sind in der Regel nicht Sinn und Zweck des Genres. Hier geht es um große Herausforderungen, die physische Aktionen der Hauptfiguren nach sich ziehen. Es wird geboxt, geschlagen, gesprungen und gelaufen, der Körper muss Höchstleistungen bestehen, muss sich beweisen.

Aber gerade in den 1980er und 1990er Jahren veränderte sich hinsichtlich der Geschlechterposition einiges. Frauen machten Karriere, emanzipierten sich, verließen angestammte Rollen. Sichtbar wurde dies auch auf der Leinwand: Die Actionhelden bekamen - wenn auch zunächst nur vereinzelt - weibliche Konkurrenz. Bereits Mitte der 1970er Jahre waren die Herren nicht mehr allein auf weiter Flur.

Pgrier.jpgamela Grier kam auf die Leinwand, viel gefeierte Heldin der Blaxploitation-Filme, die ihren männlichen Kollegen in nichts nachstand. In FOXY BROWN (1974) schwört sie Rache für den Tod ihres Freundes, eines Undercover-Drogenfahnder. Sie ist überaus sexy, schlagfertig mit Worten, Waffen und Fäusten und besteht auf der großen Leinwand neben ihren männlichen Kollegen. Ebenso Ende der 1970er Jahre traf James Bond, britischer Actionheld der Sonderklasse, in DER SPION, DER MICH LIEBTE (1977) auf einen weiblichen Gegenspieler. Die Amerikanerin Barbara Bach spielte eine Moskauer Agentin und bot dem Geheimagenten seiner Majestät genügend Gegenwehr. Auch Offizierin Ellen Ripley (Sigourney Weaver ) gehört zu jenen Frauen, die den Actionhelden ihr klassisches Terrain streitig machten: In dem Science Fiction ALIEN (1979) war sie nicht nur die Kopie eines männliches Helden, sondern schuf einen völlig neuen, weiblichen Typ.  Sarah Connor (Linda Hamilton ) lässt sich im zweiten TERMINATOR nicht mehr einfach zur Schlachtbank führen, Jamie Lee Curtis beweist in BLUE STEEL (1990) , dass auch Polizistinnen Nervenstärke besitzen.

Sandra Bullock sorgt in SPEED (1994) mit diversen Geschwindigkeitsüberstreitungen dafür, dass die Insassen eines Buses den mörderischen Wahn eines Terroristen überleben. Auch als Computerexpertin Angela Bennett überzeugt sie in DAS NETZ (1995) auf der Leinwand und kommt einer Hackergruppe auf die Spur, die sich Zugang zu wichtigen Computernetzen verschaffen will. Geena Davis legt die Hausfrauen-Masche in TÖDLICHE WEIHNACHT (1996) ab, um ihrer Vergangenheit als Serienkillerin auf die Spur zu kommen. In AKTE JANE (1997) mit Demi Moore stellt sich heraus, dass Frauen genau wie Männer das harte und brutale Ausbildungsprogramm der US Navy Seals bestehen können. Gerade dieser Film löst eine Debatte aus, da die Hauptheldin genau wie ihre männlichen US-Kollegen erzreaktionär das Militär verherrlicht.

Frauen stoßen mehr und mehr ins Actiongenre vor. Heute gehören Lara Croft (Angelina Jolie ), Elektra und Alias (Jennifer Garner ) oder Selene (Kate Beckinsale ) zum guten Action-Ton. Die drei Engel ermitteln auch wieder für Charlie. Allerdings haben die weiblichen Heldinnen nur dann Erfolg, wenn sie nicht allzu sehr aus dem gesellschaftlichen Rahmen fallen. Aber immerhin haben sie ihren männlichen Kollegen etwas das Fürchten gelernt und an deren vorherrschender Rolle gerüttelt.

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