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In Science Fiction-Filmen gibt es drei Arten, mit Architektur umzugehen: Entweder sind Gebäude und Städte verschwunden und übrig allein Ruinen und die düsteren Nachwelten einer Zivilisation wie in Planet der Affen (1968), Mad Max (1979) oder Die Klapperschlange (1981). Die zweite Darstellungsform beschränkt sich auf Innenräume mit allerlei technischen Gadgets oder auf Raumschiffe unterwegs im All wie in Solaris (1972 / 2002), Alien (1979) oder 2001 - A Space Odyssey (1968). Oder aber die Filme zeigen uns eine Zukunft unendlicher Stadtlandschaften voller Hochhäuser und allerlei fliegende Gefährte wie auf dem Stadtplaneten Coruscant in Star Wars - I-III (1999-2005) Das Fünfte Element (1997) oder Just Imagine aus den 30er Jahren.
Die ersten beiden Varianten, sollen hier nicht interessieren, weil sie wenig beitragen zu der Leitfrage: Was sähen Archäologen, wenn sie auf die Überreste einer Science-Fiction-Stadt stießen? Zum Beispiel auf Los Angeles aus Blade Runner (1982), die stromlinienförmigen Bauten in Things to Come (1936), die Bürotürme in Playtime (1967) oder auf die Welt von Metropolis (1927).
Ganz abwegig ist dieser Gedanke einer versunkenen Filmstadt nicht, wenn man an die Lost City von Cecil DeMille denkt, der die Filmbauten seines Stummfilms Die Zehn Gebote (1923) in der Wüste vergraben ließ, damit kein anderes Filmteam sie benutzen konnte. Die Stadt geriet in Vergessenheit und wurde erst 60 Jahre später von Archäologen und Filmfans wiederentdeckt.
Warum diese Leitfrage? Weil Filmsets die eigentliche Attraktion in vielen der unlogischen und verquasten Science Fiction-Filme sind. Als wenn die Regisseure sich berauscht hätten an ihren Visionen der Zukunft, wurde in Filmen wie Things to Come (1936), Just Imagine (1930) wenig Wert auf eine plausible Geschichte oder gar Figuren gelegt, sondern die Darstellung der (erdachten) Zukunft wurde zum Zentrum des Films, in etwa so, wie das Raumschiff in 2001 zum Hauptdarsteller wurde - aber dazu mit einer funktionierenden Story.
Die für die Leinwand errichteten Städte in vielen Filmen waren spektakuläre Kulissen, aber zugleich Ausdruck der Ideologie und Lebenswelt der gezeigten Gesellschaft. Und sie ließen dann Rückschlüsse auf die Gegenwart zu, in der die Film entstanden. Dennoch stellten sich jedoch nur wenige Filmemacher der Herausforderung, durch Design von Stadtentwürfen die Zusammenhänge der Utopie-Gesellschaft in die Dingwelt zu übersetzen. Bei denen, die es taten, kann man gut die Sorge über die Frage ablesen, ob unsere Zukunft eine mit der Technik versöhnte sein würde oder eine, die die Ausbeutung und Kontrolle von Mensch und Natur weitertreibt.
Vorbilder der Kinozukunft
Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine Architektur, die kaum historische Vorbilder hatte und mit vielen Traditionen brach. Sie unterschied sich von der bisher vorherrschenden Bauweise durch kühne Formen, abstrakte Elemente, die Verwendung industrieller Materialien und künstlichen Lichts als Gestaltungselement. Leidenschaftlicher Optimismus, Technikgläubigkeit und Zukunftsvertrauen trieben die Architekten an: Schon bald trugen mehr als tatsächlich gebaute Häuser andere Künste wie Comic, Film, Fotografie und Malerei zum kulturübergreifenden Erfolg des modernen Designs bei, dessen gestalterische Grundlagen bis heute gelten. Comic-Helden flogen über die Skyline ultramoderner Städte, Modestrecken wurden auf stromlinienförmigen Ozeandampfern geschossen, Literaten ließen ihre Handlung in mondänen Penthouses spielen und beschrieben Städte voller Luftschiffe und technischer Erleichterungen. Die modernen Hochhäuser der 20er und 30er Jahre vor allem in New York, Chicago oder Sao Paulo ließen Filmfiguren, Models und sogar Produkte besser zur Geltung kommen und der Betrachter hatte das Gefühl, die Gebäude und das Innendesign leite ihn direkt in eine grandiose Zukunft voller Technik und Eleganz.
Die begeisterte Aufnahme des modernen Stils quer durch alle Kunstgattungen bewirkte seine Verbreitung und Popularisierung, er wurde gleichbedeutend mit Progressivität und Zukunft. Der Einfluss des Kinos ist bei der Verbreitung moderner Architektur gar nicht zu überschätzen. In zahlreichen Filmen, zunächst vor allem in Frankreich wie L'Inhumaine (1924), Le Vertige (1926) oder A nous la liberté (1931) taucht moderne Architektur und Design auf; später auch in deutschen und amerikanischen Produktionen wie Metropolis (1925), Palmy Days (1931) Her Fall and Rise (1931) oder The Black Cat (1934).
Wo Architekten zum einen auf Manifeste, Bauzeichnungen, Fotografien und zum anderen auf ihre weit verstreuten Bauprojekte selbst angewiesen waren, um von der Moderne zu künden, konnte das Kino den modernen Stil vielen Millionen zugänglich machen und tat bald noch viel mehr: Es schrieb die Ideen der Bauhauskünstler und Modernisten wie Le Corbusier oder der italienischen Futuristen in Science-Fiction-Filmen weiter und erweckte hypermoderne Welten zum Leben. Eine andere Welt war plötzlich möglich und wurde sogar gebaut - wenn auch nur im Film.
Sowohl moderne Architekten als auch die Filmleute arbeiteten mit der Manipulation von Raumeindrücken durch Licht und mit Suggestion von Bewegung durch Linienführung und Dekor. Wie Architekten der moderne Häuser und Räume erschufen, war Filmemachern deshalb vertraut. Sie aber waren völlig frei von den tatsächlichen statischen, finanziellen oder klimatischen Begrenzungen, denen Architekten sich unterwerfen mussten. Film-Städte und Hochhäuser kennen kein Limit, keine physikalischen Gesetze. Um so erstaunlicher ist, dass abzüglich einiger populärer Irrtümer wie Luftschiff-Bahnhöfe und fliegende Taxis oder mitunter misslungene Stilmixturen aus Bauhaus, Expressionismus und Art-Déco, viele Filmsets mit Blick auf heutige Megastädte wie L.A., Shanghai oder Mumbai überraschend prophetisch erscheinen. Es drängt sich also wie bei den „Erfindungen “ von Star Trek die Frage auf, ob alles, das vorstellbar ist, irgendwann auch machbar sein wird?
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