Beseelte Häuser Print
von Cveta Dobreva   
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Beseelte Häuser
Das Haus als Membran
Die Bedeutung des Hauses bei Douglas Sirk

 
 
 
 
 
 
 
 
"In unserem Jahrhundert des Verschwindens ist das eigentliche
Thema des Kinos die Seele - ihr bietet es eine umfassende Zuflucht.
Dies ist, so glaube ich, der Schlüssel zu der Sehnsucht,
die es ausdrückt, und zu dem Reiz, den es für uns hat."

John Berger

Schauplätze des Melodrama

Das Melodram ist eine Gattung, in deren Zentrum die emotionale Gewalt von großen Gefühlen steht. Im klassischen Sinne ist es unpolitisch, eskapistisch, emotional: "Man weint". Und so durchleben die Zuschauer im Kino den Schmerz über gesellschaftliche, soziale und persönliche Ungerechtigkeiten, die der sehnsuchtsvollen Erfüllung von Liebe im Wege stehen. Nach dem Ende des Films gehen sie relativ erleichtert zurück auf die Straße, ins eigene, hoffentlich weit weniger schmerzvolle Leben.

Das Genre ist durch eine gewisse Eindimensionalität der Weltbetrachtung gekennzeichnet. So sind die Charaktere zumeist einfach gestaltet, auf den ersten Blick wird deutlich, ob es sich um "gutes" oder "böses" Filmpersonal handelt. Der Begriff Melodram steht für eine Geschichte, in der bestimmte Eigenschaften immer wieder auftauchen. Das Adjektiv melodramatisch meint, dass das betreffende Werk Unwahrscheinlichkeiten in der Handlung aufweist, zum Beispiel eine zufällige Begegnung, eine Rettung in letzter Minute oder das Erscheinen einer externen Macht, um ein Happy End herbeizuführen. Melodrama kann eine Erfahrung des Selbst bedeuten. Als Substantiv beinhaltet es einen starken Kontrast zwischen Gut und Böse, Tugend und Laster, Unschuld und Korruption. Die Protagonisten verstehen sich als Opfer und werden vom Zuschauer so gesehen. Melodramatische Geschichten werden meist aus der Perspektive des Opfers erzählt, und bieten Pathos der besonderen Art, das der moralischen Interpretation von Hilflosigkeit entspringt. Außer Frauen werden oft Kinder in der Rolle der Protagonisten gezeigt, da sie sich besonders für die Perspektive der Unschuld und Hilflosigkeit anbieten.

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Die Drehorte von Melodramen sind meistens Häuser und Räume in ihnen: Küchen, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Treppenhäuser - alles Familiensymbole, deren Ordnung in der klassischen Hollywood-Periode die Frauen bestimmen. Das Haus ist deswegen so wichtig, weil es Emotionalität und Sicherheit bietet, so dass die weiblichen Protagonisten einen Vertrauten in ihm finden. Das Haus ist immer anwesend, selbst wenn die "große Liebe" abwesend oder unerreichbar ist. Ist das Haus dann nicht vielleicht bestimmend für den weiblichen Charakter des Melodrams überhaupt? Könnte das Haus eine Widerspiegelung der Protagonistinnen darstellen und überhaupt als weiblicher Gegenstand in der Gesellschaft wahrgenommen werden?