| Mauern, Pforten, Labyrinthe |
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| von Robert Hanulak | |||||||||
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Polanski zwischen Phantasie und WirklichkeitRoman Polanskis Ruhm als Filmregisseur gründet sich zu einem wesentlichen Teil auf seine Meisterschaft beim Erzeugen von Atmosphären, die von diffuser Bedrohung gekennzeichnet sind. Besonders seine frühen Filme arbeiten mit klaustrophobischen Stimmungen und dem subtilen Horror des Alltäglichen. Unterschwellige Ängste brechen darin hervor, dringen in die trügerische Geborgenheit der eigenen vier Wände und bemächtigen sich ihrer Schutz suchenden Bewohner. Und es sind dabei oft die Räume selbst, die zur Bedrohung werden, zu „Seelengefängnissen", die ihre verängstigten Insassen bedrängen und ausliefern. Ein ums andere Mal inszeniert Polanski seine Räume in einer Ambivalenz von Schutz und Bedrohung, zwischen Geborgenheit und Unbehagen. Sie sind Zuhause und Gefängnis zugleich. Häuser, Wohnungen und Räume werden dabei zu eigenen, lebendigen Akteuren der Handlung. Sie ergreifen Besitz von der Psyche ihrer Bewohner und erzeugen eine Welt in der das Realistische und das Phantastische untrennbar miteinander verbunden sind.
Die theoretische Auseinandersetzung mit Polanskis Filmen ist stark von semiotisch-psychoanalytischen Lesarten bestimmt. Eine offensichtliche Vorliebe für bestimmte Themen und Metaphern wird vom Filmemacher selbst vehement bestritten. Er versteht sich gern als Handwerker und Techniker, dem es ausschließlich um die unterhaltende Erzeugung von Spannung und Emotion geht. Interpretationen seiner Filme sind ihm zuwider. „Hätte ich eine Botschaft" erklärt er „so würde ich sie mit der Post schicken." Allerdings erscheint es für die Untersuchung seiner Filme unerheblich, ob er gewisse Motive und symbolische Bezüge so instinkthaft und naiv verwendet, wie oft behauptet. Mögen seine Filme auch keine Botschaften im herkömmlichen Sinne transportieren, so sind die Stimmungen und Bestimmungen seiner Raumsituationen sicher nicht zufällig oder rein technischer Art. Seine Obsession für alptraumhafte Räume und atmosphärische Details zeugt auch von einer spezifischen Lebenserfahrung, die sich besonders in Polanskis Fall vom filmischen Werk doch nicht vollständig trennen lässt (siehe dazu auch Biographie).
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Polanski bestreitet hartnäckig eine innere
Kontinuität in seinem Werk. Er habe nie versucht ein eigenes Image
oder einen einheitlichen Stil auszubilden. Doch zeigen sich in seinen
Filmen einige Themen und Elemente stets aufs Neue. Sie kreisen
zumeist um Gewalt, Sexualität und Religion, bergen Momente des
Absurden, Surrealen und Mysteriösen. Polanskis Helden sehen sich in
ihrem alltäglichen, rationalen Weltgefüge bedroht und ziehen sich
vor einer feindlichen Umwelt in vermeintlich schützende Innenwelten
zurück. Sie hasten ziellos durch die labyrinthischen Gänge einer
unüberschaubaren Verschwörung, bis sie ans Ende ihrer Kräfte
gelangen. Weniger sie selbst, sondern vielmehr die Räume und Wege
geben ihnen die Richtung vor. Dem komplexen Spiel von Wänden, Fluren
und Treppen scheinen sie völlig ausgeliefert und dürfen nur sehen,
worauf ihnen Fenster, Türen und Schlüssellöcher den Blick
freigeben.