| Kein Platz für Romantik |
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| von Tiziana Zugaro | |||||||
Page 1 of 5 Fanatische Frauen im Film sind Meisterinnen des Multitasking – und verändern unsere Wahrnehmung weiblicher Figuren
Eine junge Frau mit Schirmmütze verteilt auf der Straße Handzettel, die zur Vernichtung der Männer aufrufen. Ein junges Mädchen klammert sich mit aller Kraft an einen Sack Mehl wie an einen Liebhaber. Eine Mutter schiebt sich mit ihrem Kind auf dem Arm an einer Meute wartender Frauen vorbei auf die Bühne. Drei Filmszenen. Drei Bilder, in denen die Figur der fanatischen Frau Gestalt annimmt: Valerie Solanas in Mary Harrons „I Shot Andy Warhol" (1997), Rosetta in Jean-Pierre und Luc Dardennes gleichnamigem Film aus dem Jahr 1999, und Maddalena in Luchino Viscontis „Bellissima", gedreht 1951. Besonders häufig zu sehen ist die fanatische Frau im Film nicht. Doch wenn sie auftritt, hinterlässt sie einen bleibenden Eindruck. Sie verstört die Zuschauer. Dabei gibt es durchaus eine Tradition fanatischer Frauen im Film: In den 30er und 40er Jahren prägten Darstellerinnen wie Barbara Stanwyck, Joan Crawford oder Bette Davis einen bedrohlichen, weil extrem handelnden Frauentypus. In Filmen der sogenannten „schwarzen Serie" Hollywoods stand Stanwyck, wie etwa in „Double Indemnity" (1944), für die Erotisierung der Gewalt. Joan Crawford wurde bekannt für Frauenfiguren, die - den damaligen Vorstellungen nach völlig unweiblich - materielle Ziele rücksichtslos ihren Gefühlen überordnen, wie es in „Paid" (1930) geschieht. Und Bette Davis war ohnehin die Königin der schwierigen, unheimlichen und in ihrer Abgründigkeit immer auch ein wenig fanatisch wirkenden Frauencharaktere - man denke nur an ihr Auftritte in „Dangerous" aus dem Jahr 1935 oder 1962 in „What ever happened to Baby Jane". Die meisten dieser fanatischen Frauenfiguren sind eng an erwartbare Klischees weiblicher Entgrenzung geknüpft: An Eifersucht, Wahnsinn, Eitelkeit oder Rachsucht - oder eben an das unerklärlich Böse im Weiblichen, das Hexenhafte. Von den gefährlichen Liebschaften bis zur jungen, weiblichen, ledigen, aber leider allzu aufdringlichen Mitbewohnerin begegnen uns diese Figuren auch in der jüngeren Kinogeschichte immer wieder.
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