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Alt, absurd, komisch
Lemmon-Matthau knüpften auch selbst immer wieder an die erprobte Erfolgsformel an und wagten quasi zum 30. Hochzeitstag 1998 gar einen zweiten Wurf mit „The Odd Couple II“. Diese Sequel ist trotz oder gerade wegen all ihrer dramaturgischen Schwächen ein Zelluloid-Denkmal für die Widerstandsfähigkeit großer Filmfiguren und ihrer Darsteller. Zwar hat Neil Simon wieder das Drehbuch verfasst, doch das hat soviel Löcher wie ein Sieb. Er verlässt die sicheren Bretter seiner Bühnenvorlage und schickt sein ungleiches Paar auf eine verstörende Reise. Das Reiseziel: Die Hochzeit von Oscars Sohn und Felix Tochter in einem Kaff in Kalifornien. Auf der Autofahrt vom Flughafen in LA – Oscar fährt, Felix plagt sich mit einem geschwollenen Knöchel und seinen Allergien – verirren sich die beiden rettungslos in der Wüste. Das Auto explodiert am Wegesrand, sie schmuggeln aus Versehen Mexikaner über die Grenze, werden dreimal verhaftet, bändeln mit Frauen an, die 30 Jahre jünger sind, werden zu Beifahrern einer Leiche und von zwei bewaffneten Ehemännern entführt – was eben alles so auf einer Fahrt zur Hochzeit passieren kann.
Den beim Zuschauer einsetzenden Fluchtreflex hemmen allein Walter Matthau und Jack Lemmon, und das machen sie souverän. Seit dem gescheiterten WG-Versuch in New York sind 17 Jahre Filmzeit und 30 Jahre Echtzeit vergangen. Der 72-jährige Lemmon und der 77-jährige Matthau spielen die Alterskarte mit viel Verve. Sie sind älter, aber nicht weiser geworden und haben sich nicht verändert. Um es mit den Worten von Oscar zu sagen: „Felix, you still retain that unique, allusive pain-in-the-ass-quality, that drives me bezerk.“ Und darum geht es. Das Publikum bleibt bei den beiden Buddies, weil es wissen will, wie die Marotten von Oscar und Felix sich in im Lauf der Jahre entwickelt haben. Der Zuschauer erlebt etwas Vertrautes im neuen Gewand. Wo im ersten Teil zwei Ex-Ehemänner zu Beginn der Midlife Crisis miteinander gestritten haben, sind es jetzt zwei alte Säcke. Gerade diese Mischung aus Altem und Neuem macht den Reiz des Films aus. Wir sehen Figuren, die wir kennen. Wir werden zu Verwandten eines alten Ehepaares, denen wir bei ihrem, zugegeben bizarren, Leben zusehen. Hinzu kommt, dass die Grenze von der Figur zum Darsteller verschwimmt. Wo endet Jack Lemmon, wo beginnt Felix Unger? Ist Walter Matthau im echten Leben nicht genauso kauzig-krawallig wie Oscar Madison?
Filmpaare und vor allem Filmbuddies sind mehr noch als einzelne gelungene Filmfiguren fantastische Vorlagen zur Identifikation. Deshalb war es bei den Studios schon immer so populär ein wirkungsvolles Paar (und das sind eben nicht nur Liebespaare) zu finden. Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn dann auch noch dieselben Figuren wiederholt zum Leben erweckt werden. Nicht umsonst eignen sich Buddy-Konstellationen bestens für Serien und Sequels oder anders herum: Ohne den Buddy-Faktor kommt kein schlagkräftiges Filmfranchise und erst recht kein TV-Serienhit aus. Was wäre gewesen, wenn sich Starsky, Sergeant Riggs oder Sonny Crockett ständig neue Buddies hätten suchen müssen?
Oscar und Felix also sind es, die eine an sich zum Scheitern verurteilte Komödie am Laufen halten. Zum Glück hat Simon in „The Odd Couple II“ zwar seinen – nun ja, Plot – in der abstrusesten Weise zusammengeschustert, aber sein Sprachgefühl hat ihn nicht verlassen. Eine Kostprobe: Als Felix mitten in der Wüste feststellt, dass Oscar seinen Koffer inklusive Frack, Hochzeitsgeschenk und Mitgift am Flughafen hat stehen lassen, ist er kurz davor handgreiflich zu werden. Trocken pariert Oscar: „Don’t get physical with me. I’m too old to hit, but I could spit you to death.”
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