Das perfekte Paar: Walter Matthau - Jack Lemmon Print
von Steffen Wagner   
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Das perfekte Paar: Walter Matthau - Jack Lemmon
Die Bulldogge und das Schoßhündchen
Dreckschwein vs. Staubsauger
Alt, absurd, komisch
Sensenmann zieh Leine!

Dreckschwein vs. Staubsauger

Neil Simons Theaterstück war das perfekte Paarvehikel und eine brillante Filmvorlage. Das Filmdrehbuch schrieb Simon selbst, Matthau war auch auf der Leinwand Oscar Madison und als Felix Ungar wurde Jack Lemmon engagiert. Das ungleiche Paar kann in „The Odd Couple“ noch furioser mit den Gegensätzen spielen als in Wilders Film. Die Dialoge treffen härter und punktgenau, die Figuren sind zwar genauso überzeichnet, haben aber schärfere Konturen. Oscar und Felix sind Männer mit demselben Problem: Sie sind unmögliche Ehemänner und wurden deshalb von ihren Frauen verlassen. Ihre Reaktion auf diese Lebenskrise könnte jedoch unterschiedlicher nicht sein. Oscar haust allein in seinem zunehmend zugemüllten Acht-Zimmer-Appartement am Central Park und fasst seine Philosophie in einem Satz zusammen: „Life goes on, even for those of us who are divorced, broke and sloppy.” Felix dagegen kündigt der scheidungswilligen Noch-Ehefrau, die seine Pedanterie einfach nicht mehr ertragen konnte, seine umgehende Selbstentleibung per Telegramm an, mietet sich in einem Hotel im 9. Stock ein und geht entschlossen zum Fenster, um sich hinabzustürzen... Dumm nur, das Fenster klemmt. Felix holt sich bei den vergeblichen Öffnungsversuchen einen Hexenschuss. Also lässt er den Selbstmord Selbstmord sein und zerfließt in Selbstmitleid. Leicht derangiert taucht er wenig später bei der allwöchentlichen Pokerrunde von Oscar und seinen Freunden auf, die in der Zwischenzeit von seinen Selbstmordplänen erfahren haben, sich aber natürlich nichts anmerken lassen wollen und dadurch eine hochkomische Gruppenhysterie produzieren. Am Ende ist die Selbstmordgefahr abgewendet und Felix zieht bei Oscar ein, um einen problemloseren Start ins neue Singleleben zu gewährleisten.

Damit hat Neil Simon die Bühne für den totalen Culture Clash zweier Junggesellen-Archetypen geschaffen. Oscar will Spaß haben: Saufen, Zocken, Frauen, Fünfe-gerade-sein-lassen – guten, alten Männerspaß. Felix dagegen kultiviert seine körperlichen Weh-Wehchen, Allergien und sonstigen Neurosen. Er beklagt sein schweres Schicksal, er heult, er putzt! Die Konfrontation zwischen dem Macho-Ferkel Oscar und der überpeniblen männlichen Hausfrau Felix in Anzughose und Krawatte endet in einem ultimativen Showdown. Die Waffen: Ein Staubsauger, Raumspray und ein Teller Linguini.

bild_odd_3.jpg„The Odd Couple“ ist die Blaupause für Buddy Movies aller Art. Das Rezept ist denkbar einfach: Man nehme zwei Männer, den einen baue man zum hypermännlichen Macho auf, den zweiten statte man mit Qualitäten aus, die im althergebrachten kollektiven Rollenverständnis feminin belegt sind: Ordnungsliebe, Vorsicht, Emotionalität. Das ist die Struktur für inhaltlich so grundverschiedene Hollywood-Erfolge wie „Lethal Weapon“ (Mel Gibson, Danny Glover), „Clerks“ (Brian O’Halloran, Jeff Anderson), Wayne’s World (Mike Myers, Dana Carvey), und „Bad Boys“ (Will Smith, Martin Lawrence). In Deutschland setzte beispielsweise das Buddy-Gespann Schimanski-Tanner (Götz George, Eberhard Feik) in den Tatort-Krimis auf eben diese Chemie zwischen gegensätzlichen Charakteren. Mit der Trilogie „Die Musterknaben“ (Oliver Korittke, Jürgen Tarrach) gab das ZDF diesem Konzept dann noch einen leichten Dreh ins Komische. Den Konflikt zwischen diesen stereotypen Charakteren können Drehbuchschreiber und Regisseure beliebig ausschlachten – und das werden sie sicher auch solange tun, wie es das Medium Film gibt. Nur selten gelingt das jedoch künstlerisch so überzeugend wie in „The Odd Couple“. Die Figuren Oscar und Felix haben soviel Potential, dass „The Odd Couple“ in 114 Folgen als TV-Serie in den USA von 1970 bis 1975 mit riesigem Erfolg lief. Tony Randall (Felix) gewann einen Emmy, Jack Klugman (Oscar) sogar einen Emmy und einen Golden Globe.