Das perfekte Paar: Walter Matthau - Jack Lemmon Print
von Steffen Wagner   
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Das perfekte Paar: Walter Matthau - Jack Lemmon
Die Bulldogge und das Schoßhündchen
Dreckschwein vs. Staubsauger
Alt, absurd, komisch
Sensenmann zieh Leine!

Jack Lemmon und Walter Matthau haben gemeinsam acht Filme gemacht: Zwischen ihrem ersten „The Fortune Cookie“ und dem letzten Film „The Odd Couple II“ liegen 32 Jahre. Das allein ist schon ein erstaunliches Phänomen. In dieser Zeit hat sich im Filmbusiness so ziemlich alles geändert, doch das Paar Lemmon/Matthau machte 1998 eigentlich genau das Gleiche wie 1966: Die beiden spielten das Gegensätzliche ihrer Charaktere aus und warfen sich gegenseitig die Lines zu. Sie waren die ultimativen Buddies, die sich eigentlich mehr hassten als liebten – oder was es vielleicht umgekehrt? Die einzelnen Filme waren im Ergebnis mehr als unterschiedlich, sowohl in ihrer künstlerischen Qualität als auch in im Publikumserfolg. Es gab einen Klassiker wie „The Odd Couple“, filmische Katastrophen wie „Buddy, Buddy“ oder „Grumpier Old Men“ und Mittelmaß wie „The Front Page“. Getrieben wurden die Filme vom verbalen Schlagabtausch zwischen Matthau und Lemmon. Welche Rollen sie verkörperten, trat ebenso in den Hintergrund wie die Geschichte als solche. Matthau gab den bärbeißigen, hinterhältigen Manipulator und Lemmon den von widrigen Umständen getriebenen Neurotiker an der Schwelle zu Hysterie. Dass es auch in den erwähnten Katastrophenstreifen noch komische Momente gab, war allein den Protagonisten und vor allem ihrem Timing zu verdanken. Die Formel lautete: „It’s the couple, stupid!“.

bild_odd_4.jpgDer Erste, der das Paar Matthau-Lemmon zusammenspannte, war Billy Wilder. „The Fortune Cookie“ (Deutsch: Der Glückspilz) ist eine Art Screwball-Komödie mit sozialem Gewissen. Walther Matthau spielt den schmierigen Anwalt Willie Gingrich, der den live im Fernsehen von Millionen Zuschauern bezeugten Berufsunfall seines Schwagers Harry Hinkle (Lemmon) für den großen Coup ausnutzen will: Sprich, er will eine Versicherung um einen stattlichen Betrag zu erleichtern. Hinkle ist Kameramann und wird während des Spiels vom schwarzen Quarterback Luther „Boom Boom“ Jackson (Loriot hätte sich keine besseren Namen ausdenken können) medienwirksam über den Haufen gerannt. Einige Stunden später geht es ihm abgesehen von einer leichten Verstauchung schon wieder bestens, aber eine schnelle Genesung ist nicht im Sinne des Schwagers – in Anwaltskreisen „Wiplash Willie“ genannt – der sich inzwischen kettenrauchend auf dem Krankenhausflur einen genialen Plan zur Geldvermehrung ausgedacht hat. Was macht ein amerikanischer Anwalt, um reich zu werden? Er klagt.

Das einzige Hindernis auf dem Weg zum Reichtum ist der brave Gutmensch Harry Hinkle, der bei dem hinterhältigen Plan nicht mitmachen will, zumal er sieht, wie sein Sportheld „Boom Boom“ darunter leidet, ihn vermeintlich zum Invaliden gebodycheckt zu haben. Als windiger Winkeladvokat und Meistermanipulator weiß der gemeine Gingrich jedoch ein wirksames Gegenmittel zu Hinkles Skrupeln: Er ruft dessen flatterhafte Ex-Frau Sandy an, die sich gegen das nötige Entgeld gerne auf ein Ehe-Revival einlässt. Der ahnungslose Harry denkt, dass sein Missgeschick die alte Liebe wieder entflammt hat und spielt mit Verve den Krüppel im Elektrorollstuhl, um durch das süße Gift des Mitgefühls das Herz von Sandy wiederzugewinnen.