| Jekyll & Hyde, oder: von Freiheit, Sex und Tod |
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| von Tiziana Zugaro | |||||||
Page 1 of 5 „Wir spüren den Druck des Daseins gerade dann am lebendigsten, wenn wir uns in maximaler Entfernung zu moralischer Aufrichtigkeit befinden." (Milo Rau)
Das Frauenbein als Memento MoriEine blonde Frau liegt dekorativ dahin gestreckt auf einem Bett, ihr wohlgeformtes Bein baumelt über die Bettkante, sie schwingt es wie das Pendel einer Uhr hin und her - die Kamera zoomt immer näher heran, bis das Bein in seiner Bewegung die Leinwand komplett ausfüllt. Das Auge der Kamera empfindet dabei den Blick des Mannes nach, der sich mit dieser Frau in einem Raum befindet und gerade dabei ist, seine Kleider wieder in Ordnung zu bringen. Es ist der Blick von Dr. Jekyll, einem - so legt es der Film bislang nahe - sozial bewegten Gutmenschen, angesehenen Bürger von erlesenem Kunstgeschmack, unkonventionellen und kreativen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Medizin und Psychologie und leidenschaftlich verliebten aber den Anstand wahrenden Verlobten einer dunkelhaarigen Schönheit aus gutem Haus. Das Bild des pendelnden Frauenbeins legt sich schließlich wie ein Schleier über die folgende Sequenz, in der Dr. Jekyll wieder ordentlich in Mantel und Zylinder gekleidet die moralische Verwerflichkeit oder Nichtverwerflichkeit dieses kleinen Vorfalls mit seinem Freund diskutiert.
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