Schriftstellerleben - nie arbeiten & für immer leben Print
von Christian Westheide   
Seiten
Einleitung
Zu viele Autoren - zu kleine Welt
Arbeiten? Ach woher - Leben!
Der Autor bei der Arbeit
Schriftsteller - Mörder und Hohepriester
Arbeitsmethoden: Tippen, Ficken, Kippen
Alles ist Arbeit

Alles ist Arbeit

Schreiben macht Arbeit. Aber ist Schreiben die Arbeit des Schriftstellers? Nach der Analyse der erwähnten Filme zu urteilen nein. Das Tippen, das Literatur entstehen lässt, wird nicht gezeigt. Diese Tätigkeit ist so langweilig anzusehen, dass sich im Film die Darstellung eines Schriftstellers darauf konzentriert, das ausschweifende Leben des Autors zu zeigen und nicht die Arbeit, die ihn erst zum Schriftsteller macht. Für den Calvinisten oder den Unternehmensberater hat die Art, wie die allermeisten Schriftsteller arbeiten, ohnehin mit Arbeit nichts zu tun: zu wenig Struktur, zuviel Untätigkeit, zuwenig Ertrag, zuviel Ausschuss. Schaut man sich typische Schriftstellerfilme an, kommt man zum gegenteiligen Schluss: Im Grunde ist für einen Künstler das ganze Leben Arbeit, er hat nie Feierabend. Arbeit ist damit auch alles, was nach Vergnügen aussieht: Saufen bis zum Verlust der Muttersprache, ausschweifendes Leben an den wunderbarsten Orten, Sex und Beziehung in allen Farben und Formen, Kneipenschlägereien, Gabelstaplerjobs, das Liebesgeflüster im Dunkeln einer Sommernacht, das erste graue Haar bemerken, Fremdgehen und es verheimlichen und natürlich alle Niederlagen und Verluste sowie Depression und Einsamkeit - einfach alles. Denn aus all dem Fühlen, Sehen und Tun kann der erste Satz eines Romans, die erste Zeile eines Gedichts erwachsen.

Man sollte nur eines nicht tun: einen wirklichen Autor kennenlernen oder gar selbst einer werden - dann wird einem die Darstellung der Schriftstellerrbeit im Kino in etwa so zutreffend vorkommen wie einem Nasa-Piloten Han Solo und Captain Kirk. Wenn man aber den Blick auf die Wirklichkeit vermeidet, und das sollte man sowieso so oft wie möglich tun - darum gehen wir ins Kino - dann ist das eine absolut einmalige Arbeit und das damit zusammenhängende Leben das Tollste, was einem passieren kann. Und verdammt noch mal - etwas MUSS doch dran sein, sonst gäbe es nicht so viele Filme über diese Spezies mt dem schillernden Namen: Schriftsteller. Die Kammer im Tempel ist prall gefüllt mit allem, was man sich vorstellen kann. Da bin ich sicher. 

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