| Zeit zu lieben - Zeit zu töten |
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| von Tiziana Zugaro | |||||||
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Die Hoffnung auf ein anderes, mögliches LebenIst für Bruno die Arbeitslosigkeit eine Zeit zu töten, ist sie für Marie „Rien à faire" der Auslöser um sich zu verlieben. Eine ganze Weile ist die Frau eines Gewerkschafters schon auf der Suche nach einem neuen Job. Auf dem Arbeitsamt kennt man sie bereits als Stammkundin, sehr schüchtern und von vorneherein resigniert. Und dennoch blitzt in den Augen von Valeria Bruni-Tedeschi manchmal ganz unerwartet die Sehnsucht nach einem anderen, möglichen Leben auf.
Da trifft Marie einen anderen Arbeitslosen, Pierre, der zuvor einen schicken Manager-Posten bekleidete. Im normalen Arbeitsleben wären sich die beiden wohl kaum über den Weg gelaufen, aber die gemeinsame Arbeitslosigkeit ebnet die Klassenunterschiede vorübergehend ein. Die beiden verlieben sich, und beginnen eine heimliche Affäre. Das sind die leichtesten, schönsten Szenen im Film, wenn Marie und Pierre losgelöst von allem, was um sie herum so passiert, ihre Verliebtheit genießen, albern sind, längst vergessen geglaubte Gesten der Verführung und Leidenschaft ausprobieren. Als Marie eine Teilzeit-Stelle als Putzfrau findet, hängt Pierre lieber mit ihr und dem Staubwedel zusammen in den hochherrschaftlichen Villen ab, als sich um seinen eigenen Job zu kümmern. Das Traumartige und Aus-der-Zeit-Gefallene dieser Situation übt einen Sog aus - und man wünscht sich als Zuschauer, es möge ewig so weitergehen. Was es natürlich nicht tut.
Doch auch in diesen untypischen Arbeitslosigkeitsfilmen ist klar: die Arbeitslosigkeit ist ein Schwebezustand, der zwar Neues zulässt, aber irgendwann beendet werden muss. Und an diesem Wendepunkt sind auch die Fantasieräume, die sich hier auftun, zu Ende. Bruno, Vincent und Marie finden schließlich wieder in einen Platz in der Gesellschaft zurück, der das während der Joblosigkeit Erlebte wie einen Traum erscheinen lässt. Wir werden nicht mehr Zeuge, wie die Figuren sich in der wieder gewonnenen Sicherheit der Verhältnisse zurechtfinden; aber wir teilen mit ihnen das Bewusstsein, dass die Arbeitslosigkeit bisweilen Überraschungen bereit hält, die sich jenseits der Depressionen am Küchentisch abspielen. |
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In den Joblisten des Amtes hat sie eine Stelle gefunden, bei der man auf Rollschuhen Flugblätter verteilen muss. Und schon verjüngt sich Maries Gesicht um gut zehn Jahre, weil sie sich daran erinnert, dass sie in ihrer Jugend mal eine sehr passable Schlittschuhläuferin war: „Das könnte doch Spaß machen", erzählt sie ihrem Mann. Das könnte doch Spaß machen - eine Hoffnung, die Marie offensichtlich in Bezug auf ihr Leben noch nicht ganz aufgegeben hat. Mit ihrem Mann verbindet sie eine rücksichtsvolle aber nicht eben leidenschaftliche Gemeinsamkeit, die Kinder fangen bereits an, ihre eigenen Wege zu gehen.
Der Täuscher, der Killer und die Liebende: sie bleiben im Gedächtnis. Und man dankt es den Filmemachern und den Schauspielern, dass sie uns für ein paar Stunden erlöst haben von dem allzu Berechenbaren und neue imaginäre Räume aufgetan haben. Denn ist man die Arbeit los, muss noch lange nicht klar sein, was als nächstes passiert.