| Zeit zu lieben - Zeit zu töten |
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| von Tiziana Zugaro | |||||||
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Fast perfekte Mimikry in der Business-LobbyVincent, die Hauptfigur in „L'emploi du temps" geht wie gewohnt jeden Tag mit seiner Aktentasche in der Hand aus dem Haus, und macht sich scheinbar auf dem Weg ins Büro. Dabei ist ihm bereits vor einiger Zeit gekündigt worden. Seiner Familie hat er nichts davon gesagt -noch schafft er es, die Fassade aufrecht zu erhalten. Seine Kalkulation: einen neuen Job zu ergattern, bevor er die Arbeitslosigkeit „beichten" muss. Diese beklemmende Situation erzeugt Spannung - wird er auffliegen? - und sie ermöglicht einen ungewohnten Blickwinkel auf die Situation der Joblosigkeit, da sie ja nach außen gar nicht in Erscheinung tritt.
Der Aufwand der täglichen Täuschung steht im Mittelpunkt von Cantets Film. Das Vertuschen der Arbeitslosigkeit wird zu einem neuen Fulltime-Job - besonders als es schließlich darum geht, das Geld für den Lebensunterhalt anderweitig heran zu schaffen. Stillstand und Betriebsamkeit wechseln einander ab, aber mit anderen Vorzeichen, als dies sonst im Arbeitslosen-Film üblich ist. Vincent erzählt seiner Familie irgendwann, er habe einen neuen - noch sehr geheimen - Job bei der UN, und dieser Fantasie-Job scheint ihm in seiner eigenen Vorstellung mehr Freude zu bereiten, als es eine konkrete Arbeit je tun könnte. Die erzwungene Auszeit füllt Vincent mit langen Autofahrten über Land, und in diesem Nirgendwo findet er eine Art von Ruhe und Zufriedenheit, an die er sich wohl gewöhnen könnte. Müsste er eben nicht doch irgendwoher das liebe Geld beschaffen. |
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In einer der stärksten Szenen des Films sitzt Vincent in der Lobby eines großen Konzerns, perfekt gekleidet, mit der Aktentasche auf dem Schoß, obwohl er in dem Unternehmen gar nichts zu tun hat. Vielleicht will er einfach nur seine Zeit „bis Büroschluss" absitzen, vielleicht genießt er das Gefühl dazuzugehören. Man weiß es nicht genau. Und tatsächlich scheint es, als ob er sich perfekt in die Umgebung einfügt, quasi in ihr aufgeht. Dann aber wird seine Mimikry jäh durchkreuzt, als ein Portier mit besonders guten Sensoren auf ihn zukommt, und ihn nach einem kurzen höflichen Wortwechsel vor die Tür setzt. Kein eindeutiges oder gar harsches Wort wird hier gesagt, aber dennoch ist klar - Vincent gehört nicht dazu, er muss leider draußen bleiben.