| Zeit zu lieben - Zeit zu töten |
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| von Tiziana Zugaro | |||||||
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Große Tradition der DepressionNeben England hat auch Frankreich eine große Tradition, was das Zuschaustellen der Brutalität des Kapitalismus und der Rationalisierung angeht - in letzter Zeit machten beispielsweise Laurent Cantets „Ressources humaines" von sich reden, Jean-Marc Moutouts „Violence des échanges en milieu temperé" oder - nun gut, das sind Belgier - die Filme der Dardenne-Brüder. Sie alle beobachten ganz genau, was mit Menschen passiert, wenn sie um eine Arbeit kämpfen müssen, sie untersuchen die Mechanismen des Drucks, der Konkurrenz, des ständigen Sich-Mut-Machens und sie decken die Konflikte auf, die Arbeitslose durchzustehen haben - mit anderen Arbeitslosen, mit der arbeitenden Bevölkerung und mit sich selbst. Das ist gut und richtig und lehrreich, oftmals sind diese Filme auch als Filme interessant anzusehen, aber nach dem fünften in Folge ist man erst einmal bedient. Er kann aber auch ganz anders, der Franzose: Drei Filme über arbeitslose Menschen im neuen französischen Kino offenbaren Seiten am Dasein der Arbeitslosigkeit, die abweichen vom üblichen Repertoire des Trübeam-Küchentisch-Hängens. Es sind die drei Hauptfiguren, die diese Filme tragen, weil bei ihnen die Arbeitslosigkeit etwas in Gang setzt, was nicht mit den üblichen Erzählschemata konform geht. Der eine - Vincent in Laurent Cantets „L'emploi du temps" - macht einfach weiter wie bisher, obwohl der Job objektiv weg ist, die andere - Marie in Marion Vernouxs „Rien à faire" - verliebt sich erst mal über Klassenschranken hinweg in einen anderen Arbeitslosen, und der dritte - ja, der dritte wird zur effizienten Ich-AG im Dienste der Beseitigung von möglichen Konkurrenten auf den nächsten Job. Der da so konsequent sein Schicksal und das einiger anderer Menschen in die Hand nimmt ist Bruno in Constantin Costa-Gavras sehr schwarzhumorigem Film „Le Couperet" - die Axt, der in Deutschland auch unter dem Titel „Jobkiller" im Fernsehen lief. Wie erfrischend anders sind diese Filme, die mal einen anderen Weg gehen - auch wenn dieser alles andere als heiter ist. Unser Hirn dankt es ihnen, weil es überrascht wird, zur Abwechslung mal andere Synapsen aktivieren muss und durch die unerwarteten Wendungen im Arbeitslosen-Plot endlich mal so richtig aufgeweckt wird. |
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