Zeit zu lieben - Zeit zu töten Print
von Tiziana Zugaro   
Seiten
Einleitung
Große Tradition der Depression
Fast perfekte Mimikry in der Business-Lobby
Methodisch und präzise gegen die Konkurrenz
Die Hoffnung auf ein anderes, mögliches Leben

Ist man die Arbeit los ist man arbeitslos. Und dann? Muss man die Zeit füllen, die man vorher mit Arbeit zugebracht hat. Muss man meist leider auch sehen, woher man das Geld bekommt, das einem vorher die Arbeit eingebracht hat. Muss man sich normalerweise hurtig damit beschäftigen, eine neue Arbeit zu finden. Und muss man vor allem schauen, wer man jetzt eigentlich ist, nachdem der wichtige Ich-Bezug Arbeit weggebrochen ist.

emploi_temps_l

  Im Film sind Menschen ohne Arbeit meist traurige Gestalten. Gebückt, gebeutelt von dem erniedrigenden Bewusstsein, nicht mehr gebraucht zu werden. Das kann man in verregneten Filmen aus dem verregneten England besonders gut studieren, wo die nüchternen Regisseure des sozialen Realismus die Kamera draufhalten auf das Elend. Aber auch im sonnigen Spanien hat man schon entlassene Werftarbeiter dabei beobachtet, wie sie ihre Montage recht verzagt in der Sonne verbringen. In Hartz-IV-Deutschland mischen sie sich - auf sympathische Art symbolisch aufgeladen - im Schwitzkasten einer Sauna mit dem Rest des Prekariats und gut situierten Politikerinnen-Gatten oder sie verfallen in düsteren Erdgeschosswohnungen im sonst so bunt-wuseligen Prenzlauer Berg der Depression und dem Alkoholismus.