| Regen |
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| von Dominik Walther | |
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Es sind die Wundermaschinen, künstliche Menschen und kaum mehr von natürlichen zu unterscheiden, die Replikanten, die immer wieder illegal auf die Erde gekommen. Roy ist der Anführer einer kleinen Replikantentruppe. Um sein künstliches Leben zu retten will er seinem Schöpfer gegenüber treten: Es geht um seine Lebenszeit, die bei der Programmierung festgelegt wurde. Vier Jahre hat jeder der künstlichen Menschen, bevor sein Leben verlöscht. „Die Kerze, die doppelte so hell brennt, brennt nur halb so lang“, sagt der Industrie-Tycoon Tyrell, Erfinder und Entwickler der Replikanten achselzuckend. Roy muss erfahren, dass es unmöglich ist, sein Leben zu verlängern - der einmal programmierte genetische Code kann nicht geändert werden, jede nachträgliche Veränderung würde sein Leben durch einen tödlichen Virus schnell beenden. Das ist das Grunddilemma der Replikanten: die eigene Sterblichkeit. Keiner weiß genau, wie lange es dauert, aber jeder weiß, dass es zu Ende gehen wird. Decker ist der Blade Runner, dessen Job es ist, die auf die Erde gekommenen Replikanten zu finden und zu töten. Er fristet sein Leben hinter den vor dem Regen Schutz gebenden Plastikflächen fliegender Autos, unter Vordächern und in klaustrophobisch dunklen, engen Innenräumen, die einen selbst die regennasse, dunkle und überbevölkerte Straße herbei sehnen lässt. Wo der Innenraum keinen Schutz und keine Geborgenheit mehr bietet, muss der Regen und die Öffentlichkeit als emotionaler Rückzugsraum herhalten. Es ist die Jagd des Menschen auf die ihm zum Ebenbild erschaffene Maschine sowie die Suche der Maschinen nach einem Weg zu ihrem Schöpfer, die die Spannung dieses Films ausmachen. Im alles entscheidenden Kampf Deckers gegen den verzweifelt gegen seinen Tod kämpfenden Roy findet der Film schließlich in und auf einem vom Regen durchnässten und verwüsteten Haus sein Ende. Doch die Rollen sind getauscht: Roy hetzt seinen Jäger aufs Dach, gnadenlos, denn Decker ist ohne Waffe und verletzt dem Replikanten körperlich nicht ebenbürtig. Und doch ist es die Menschmaschine, die dem Blade Runner schließlich das Leben rettet, als dessen Finger sich nicht länger an den vom Regen rutschigen und nassen Eisenträger festkrallen können. Im Moment des Sturzes in die Tiefe greift Roy zu, hält ihn fest und zieht ihn zurück aufs Dach. Fast nackt, der makellose Körper vom Regen glänzend, steht Roy auf dem Dach. Drohend zunächst, dann anklagend und schließlich selbstversunken gibt Roy seinen Kampf auf und ergibt sich seinem Schicksal. „I´ve seen things you people wouldn´t believe“, sagt er ruhig und melancholisch. „All those moments“, sind schließlich seine letzten Worte, „lost in time. Like tears in rain. It´s time to die.“ Mehr Pathos ist wohl kaum erträglich, aber die Menschmaschine zeigt im Angesicht des Todes mehr Menschlickeit als sein Gegenüber aus Fleisch und Blut. Im Angesicht des Todes hat Roy die Wut und die Angst vor seiner Sterblichkeit überwunden, und seinem menschlichen Gegenüber ein Beispiel geliefert, wie er es ihm gleich tun kann. Alles Leben entstammt dem Wasser. In Ridley Scotts düsterem Endzeitepos ist der Regen gerade dabei, sich das ihm entwachsene Leben langsam wieder zurück zu holen. Jede Träne erinnert an diese alte Verbindung, erinnert an das zutiefst menschliche Schicksal der Endlichkeit. |