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Die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr war auch ein großartiges Event, weil das Wetter passte: Hitze, Sonne, blauer Himmel. So wünschen wir uns den Sommer: heiß und trocken. Badewetter. Es gilt dabei: je heißer der Sommer, desto kürzer die Röcke. Wenn die Temperaturen steigen, fallen die Hemmungen. Und nicht nur, was die Kleidung betrifft.
„Hundstage“ zeigt ganz eindringlich einige unter der Hitze leidenden Menschen. Muskelshirt und kurze Hosen verhüllen massige, schwere, überquellende Körper nur notdürftig. Die Restbekleidung wird abgelegt, sobald man sich in den eigenen, privaten vier Wänden befindet. Die dünne Haut der Zivilisation, bei Hundstage steht dafür die spärliche Kleidung der Protagonisten, kann das Körperliche und mit ihm das Animalische und Triebhafte im Wesen der Figuren kaum verbergen. Wie die Kleidung so schrumpfen bei bleibender Hitze die Hemmungen und Grenzen. Die Grenzen des guten Benehmens, Anstand, Grenzen des Wohlwollens, des guten, menschlichen Miteinanders, sie alle schwinden wie Eis in der Sonne. Gerne wird dabei auch freizügig und mechanisch gevögelt: emotionslose Lust beim Gruppensex im Swinger-Club.
Hitze macht schlapp, müde, und sie zehrt an den Nerven. Das lässt sich bei Hundstagen beobachten, aber auch bei einer ganzen Reihe anderer Filme wie„Summer of Sam“, „Barton Fink“, „Falling Down“. Und sie legt gleichzeitig Aggressionen offen, beispielhaft im Amoklauf von „Falling Down“. Die Hitze lässt die Fassade, mit denen die Protagonisten ihre Aggressionen verkleiden, langsam von den Menschen gleiten wie sich die Tapete bei „Barton Fink“ langsam und schwer von der Wand löst: sie zieht klebrige Fäden und schmierigen Leim hinter sich her. Was darunter zum Vorschein kommt, ist nicht unbedingt angenehm.
Hitzestau. Der Mensch ist nicht für die Hitze gemacht. Wenn er ihr länger ausgesetzt bleibt, wird er langsam zum Tier. „Sometimes it get's so hot, I just want to jump out of my skin“, sagt Charlie Meadows in „Barton Fink“, nachdem er zum Teufel gewandelt aus dem brennende Fahrstuhl kommt, einen Polizisten erschossen hat, Feuer und Verderbnis hinter sich her ziehend. Hitzefilme zeigen immer eine sich anbahnenden Katastrophe: der Amoklauf in „Falling Down“, die nur per Zufall verhinderte Ermordung in „Summer of Sam“, die Verrohung aller Beteiligten in „Hundstage“, die apokalyptische Höllenvision bei „Barton Fink“.
Wie aber wird Hitze in diesen Filmen in Szene gesetzt? Die Regisseure bedienen sich nicht immer nur an Bildern von einer glühenden Sonne, Menschen in durchgeschwitzter Unterwäsche und Bächen von Schweiß auf nasser Haut. Es sind vielmehr subtile Bilder, in denen sich die Hitze ausdrückt: die eleganten Sommeranzüge bei „Barton Fink“ - die bald in einem Kontrast zum unrasierten und verwahrlosenden Barton stehen -, die ständig sich drehende Ventilatoren, die sich von der Wand lösende Tapete, die blassen, fast überbelichteten Bilder bei Aussenaufnahmen.
Wunderbar in Szene gesetzt wird die Hitze in „Hundstage“: Aufnahmen eines graublauen Sommerhimmels über hässlichen Neubauszenerien. Streng durchkomponiert ragt Architektur eckig und kantig ins Bild, steht mit ihren geraden Linien und kantigen Formen im starken Gegensatz zu den nackten, schwitzenden, überquellenden Körpern der Laienhauptdarsteller in Nahaufnahme, die schnell ein Gefühl von großer Aufdringlichkeit, von zu viel Nähe verursachen. Langsam werden die Bewegungen ausgeführt, bloß keine Anstrengung, und immer wieder wird man als Zuschauer Zeuge einer Übertretung von Intimität, die man sich gerne erspart hätte: die überquellenden, nackten Körper; eine Schamhaarrasur mit der Nagelschere; eine dauerquasselnde Anhalterin, die in fremden Handtaschen wühlt; ein Halbstarker, der seine Freundin verbal und höchst aggressiv bedroht und beleidigt, die alles klaglos und lethargisch geschehen lässt. Die Hitze, so scheint es, hat die Schwachen gelähmt und die Starken sind außer Rand und Band. Selbst die Schönheit am Pool wirkt nicht erotisch, sondern in ihrer schweißnassen Regungslosigkeit bemitleidenswert. Hundstage ist wie der von ihm gezeigte Wetterzustand: man kann dem nicht entkommen, man kann sich nicht entziehen, alles rückt einem mit fortdauernder Hitze zu nah auf die Pelle. Es scheint nur zwei Wege dagegen zu geben: Lethargie oder Wahnsinn.
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